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Lernen lässt die "grauen Zellen" wachsen!

Lernen lässt die "grauen Zellen" wachsen!

Durch das Lernen von Neuem bildet das Gehirn neue Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen und wird leistungsfähiger. Diese Erkenntnis eröffnet die Möglichkeit, Schäden die im Gehirn durch unsoliden Lebenswandel, Altersdemenz oder ganz normal mit dem Älterwerden drohen zu verlangsamen bzw. zu kompensieren.

Die Neurologen Rüdiger Ilg und Mark Mühlau vom Klinikum Rechts der Isar in München zeigen in ihren Studien, dass bereits 15 Minuten Gedächtnistraining am Tag die graue Gehirnsubstanz zunehmen lässt.

Die Studie:

38 männliche Versuchspersonen sollten täglich 15 Minuten lang unterschiedlichste Texte in Spiegelschrift lesen.

Vor den Übungen wurde ihr Gehirn im Kernspintomografen untersucht: während dem Lesen von normalen Texten waren erwartungsgemäß die für Sprachverarbeitung zuständigen Hirnbereiche besonders aktiv.

Während des Lesens von Spiegelschrift wurden zusätzlich die beiden weiter hinten gelegenen Hinterhauptslappen und Seitenlappen des Gehirns in Anspruch genommen. Rüdiger Ilg: „Diese sind unter anderem für das Erkennen von Objekten und das räumliche Vorstellungsvermögen zuständig. Denn die Worte in Spiegelschrift müssen ja erst gedanklich gedreht werden, bevor man sie lesen kann.“

Nach den 2 Wochen Spielgeschrift-Lesetraining wurden die beiden Messungen wiederholt. Der Vergleich der Aufnahmen vor und nach dem Training ergab deutliche Unterschiede: Das Areal, das beim Spiegelschriftlesen besonders aktiv war, zeigte eine Zunahme in der Dichte der grauen Hirnsubstanz.

„Graue Zellen” stehen synonym für die graue Gehirnsubstanz (substanzia griesa). Dabei handelt es sich um ein dichtes Geflecht von signalverarbeitenden Nervenzellen, das die äußere Schicht des Großhirns bildet.

Die graue Hirnsubstanz besteht im Wesentlichen aus Nervenzellkörpern mit ihren Zellkernen. Außerdem sind die Nervenzellen in der grauen Substanz über kurze Ausläufer, die Dendriten, vernetzt.
Der Austausch von Signalen findet über feste Kontaktstellen, die sogenannten Synapsen, statt. "Aufgrund von bestimmten Überlegungen gehen wir davon aus, dass die gemessenen Veränderungen nicht auf einem Wachstum der Nervenzellen selbst, sondern auf einer Anpassung der Verschaltung zwischen den Nervenzellen beruhen", sagt Rüdiger Ilg. "Das ist ein schöner Beweis für die Plastizität des Gehirns. Es werden die Bereiche im Gehirn umgebaut, die durch die neue Aufgabe besonders beansprucht werden. Indem sich die Verschaltung ändert, passt sich das Gehirn der Aufgabe an." Das heißt, die Zellen bilden zum Kommunizieren neue Synapsen aus.


Jonglieren oder Gesellschaftsspiele als "Gehirnjogging"

Studien an Patienten mit einer milden kognitiven Beeinträchtigung, einer Art Vorstufe von Demenz, weisen darauf hin, dass Gedächtnistraining das Fortschreiten einer Demenz verlangsamt. Am besten eignen sich hierfür komplexe koordinative Aufgaben, die das Anwenden von verschiedenen Fertigkeiten erfordern, wie Jonglieren oder Gesellschaftsspiele. Bei solchen Tätigkeiten werden verschiedene Bereiche des Gehirns gefordert, so dass große und weit voneinander entfernte Teile des Gehirns beansprucht werden. Die effektivste Methode ist, bis zur Erschöpfungsgrenze zu lernen, dann eine Pause machen und wiederholen.

Fremdsprachen halten den Geist jung

Unabhängig von den Forschungen von Ilg und Mühlau fand Gitit Kavé, dass insbesondere Sprachen eine bedeutende Rolle für die geistige Gesundheit spielen. Die Neuropsychologin von der Universität Tel Aviv befragte Personen im Alter zwischen 75 und 95 Jahren nach Fremdsprachenkenntnissen und testete ihre geistigen Fähigkeiten. Das Ergebnis war eindeutig: Wer eine Fremdsprache beherrschte, war geistig deutlich frischer und beweglicher.

Je mehr Fremdsprachen jemand beherrschte, desto höher war seine geistige Leistungsfähigkeit. Es zeigte sich auch ein Zusammenhang zwischen Schulbildung und geistiger Potenz im Alter, aber das war für das Ergebnis der Studie belanglos, wie Kavé sagt: „Nach unseren Untersuchungen wirkte sich Mehrsprachigkeit bei jenen besonders positiv auf den geistigen Zustand aus, die überhaupt keine Schulbildung genossen hatten.“

>> Anleitung: "Sprachen leichter lernen"

Kavés Studie lässt offen, ob Mehrsprachigkeit von vornherein eine Eigenschaft ist, die mit verringerter Neigung zu Demenz im Alter verbunden ist, oder ob Lernen und Gebrauch von Fremdsprachen die Entwicklung von Demenzen verzögert. Die Untersuchungen der Münchner Neurologen sprechen für die zweite Möglichkeit.

 
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