Ameisen sind nicht clever, Ameisenkolonien schon - Gruppenintelligenz bei Ameisen:
Ein sehr gutes Beispiel für Gruppenintelligenz sind Ameisenkolonien. Eine Kolonie findet Problemlösungen, die für einzelne Ameisen undenkbar wären: Die Kolonie in ihrer Gesamtheit findet und nutzt den kürzesten Weg zur besten Futterquelle, verteilt Aufgaben an die Arbeiterinnen, verteidigt das Revier. Als Individuen sind Ameisen hilflos - doch als Kolonie lösen sie schnell und effizient fast alle Probleme und reagieren auf ihre Umwelt.
Die Fähigkeit dazu nennt man kollektive Intelligenz oder Schwarmintelligenz: Einfache Lebewesen befolgen einfache Regeln. Keine einzelne Ameise hat den Überblick, trotzdem tragt sie zum Erfolg der Gruppe bei. Keine sagt einer anderen, was sie tun soll.
"Führung wird nicht gebraucht. Selbst komplexe Verhaltensweisen lassen sich durch einfache Interaktionen koordinieren.", sagt der Biologe Iain Couzin, der an den Elite- Universitäten Oxford und Princeton arbeitet. "
Ameisen auf Futtersuche
![]() | Stark vereinfacht sieht das so aus: Jede Ameise in der Kolonie arbeitet prinzipiell allein für sich. Wenn eine Ameise Nahrung findet, nimmt sie etwas davon mit und tritt den Rückweg an. Dabei scheidet sie Pheromone (geruchsähnliche Lockstoffe) aus und kennzeichnet so den Weg zur Futterstelle. Die Spur aus Pheromonen sagt den anderen Ameisen, dass sie hier Futter holen können. Jedes Mal, wenn eine Ameise losgeht und wieder zurückkommt, wird die Pheromonspur verstärkt. Ameisen, die sich in der Nähe befinden, bemerken die Pheromone und werden dadurch ebenfalls zur Futterstelle geleitet. Auch sie tragen Nahrung zum Nest und scheiden dabei Pheromone aus, wodurch sich die Pheromonintensität verstärkt |
Auf diese Weise entsteht eine immer stärkere Pheromonspur, denn immer mehr Ameisen entscheiden sich für den gefundenen Weg vom Nest zur Futterstelle. Was wir dann sehen sind die berühmten "Ameisenstraßen".
Die Pheromone verschwinden aber auch sehr schnell wieder, was aber den Vorteil hat, dass Wege zu bereits ausgebeuteten Futterstellen nach kurzer Zeit nicht mehr begangen werden - weil die Spur weg ist.
Die Kommunikation bei der Futtersuche geschieht also über Pheromone. Dabei agiert jede Ameise autonom und entscheidet selbstständig über den Weg zum Futter.
Phänomen Kreismühle - Gruppen-UN-intelligenz bei Ameisen
Ganz selten kann man bei Wanderameisen ein sehr seltsames Phänomen beobachten: Eine riesige Gruppe Wanderameisen die nur im Kreis herumlaufen - in einem Kreis, dessen Linie an die 400 m betragen kann.
Das bedeutet, dass eine Ameise ca. 2,5 Stunden braucht um den Kreis einmal abzulaufen. Das irrsinnige dabei ist, dass die Ameisen den Kreis nicht verlassen und nach 2 Tagen noch immer den Kreis ablaufen - bis immer mehr aus Nahrungsmangel und Erschöpfung tot liegen bleiben. Diese Phänomen wird als "Kreismühle" bezeichnet und tritt auf, wenn die Ameisengruppe vom Ameisenstaat getrennt werden.
Wie kommt es dazu?
Normalerweise handeln die Ameisen ja nach einfachen, pheromongesteuerten Regeln. Dadurch hängt jede Bewegung der einzelnen Ameise vom Tun der anderen Ameisen ab. Da die einzelnen Ameisen aber nicht in der Lage sind, "eigenständig zu denken" und nur nach den Regeln zu handeln sind sie auch nicht in der Lage den Todesmarsch zu beenden.
Das kann uns Menschen hoffentlich nicht passieren, weil wir ja doch in der Lage sind eigenständig zu denken. Aber ein bisschen erinnert das schon an Situationen, wo man sich "im Kreis zu drehen" scheint und trotz grosser Bemühungen keine Fortschritte erzielt werden.
